Solarcomplex und Green City Energy haben einen Flyer in die Haushalte der Umgebung der projektierten Wind-Industrieanlagen von je 230 Metern Höhe verteilen lassen. Der BI zum Schutz des Hochschwarzwaldes e.V. Abteilung Schwarzwald-Baar-Länge ist es sehr wichtig, die 10 Argumente der Projektträger mit nachprüfbaren Fakten zu beantworten.

Zehn Argumente und Fakten zum Windpark
Länge/Ettenberg von Solarcomplex und GCE

Zehn nachprüfbare Antworten auf die in vielen Teilen haltlosen Argumente der Projektträger

1

Die 12 geplanten Windräder werden ca. 80 Mio. Kilowattstunden sauberen Strom pro Jahr erzeugen, das entspricht bilanziell dem privaten Stromverbrauch von 80.000 Durchschnittsbürgern. Mehr als in Donaueschingen, Hüfingen und Blumberg zusammen leben. Ein wichtiger Beitrag zur Energiewende

Die Einwohner von Donaueschingen, Hüfingen und Blumberg wollen auch in windstillen Nächten Strom haben. Die alten Kraftwerke liefern diesen dann. Deshalb muss trotz massivem Windkraftausbau heute mehr Kohle-strom-Kapazität vorhanden sein als im Jahr 2002, also kein Beitrag zur Energiewende.

2

Moderne Schwachwindanlagen fürs Binnenland, die GCE und solarcomplex planen, erreichen in der Realität an vergleichbaren Standorten über 2000 Volllaststunden pro Jahr. „Volllaststunden“ sind ein rein statistischer Wert, die echten Betriebsstunden pro Jahr liegen weit höher.

Schwachwindanlagen sind nicht modern, sondern kombinieren nur größere und teurere Rotoren mit kleineren Generatoren. Die Zahlenkosmetik der Schwachwindanlagen ist für Landverpächter, Standortgemeinden und Bürgergenossenschaften irreführend.

3

lm Unterschied zu Norddeutschland kann das Stromnetz in Baden-Württemberg den Windstrom jederzeit aufnehmen, da unser Bundesland seit Jahrzehnten Strom importieren muss. Dieser Trend verstärkt sich durch die beschlossene Abschaltung der Atomkraftwerke. Abgeregelten Windstrom gibt es in Baden-Württemberg nicht.

Das BW-Stromnetz kann den Windstrom bei guten Wind- und Sonnenverhältnissen nicht aufnehmen. Exporte von bis zu 5 GW in die Schweiz und nach Italien sind notwendig. Die Rheinkraftwerke müssen gedrosselt werden. Zusätzlich wurden 2016 3.24 Mio. kWh wegen zeitweiliger BW-Netzüberlastung abgeregelt.

4

Fledermäuse werden durch automatische Abschaltung geschützt. Die Windräder werden abgeschaltet, wenn der Fledermausflug intensiv ist. Durch den Verzicht auf 1 bis 2 Prozent Ertrag können ca. 80 Prozent der sonst erwarteten Fledermauskollisionen vermieden werden.

In den BImSchG, Kapitel 8 werden pauschale Abschaltzeiten verlangt. Ein Gondelmonitoring muss ab dem 3 Betriebsjahr dokumentiert werden. 80% Vermeidung verletzt die BimSchG-Bedingungen: „Die anlagenspezifischen Betriebsalgorithmen müssen so eingestellt werden, dass die Zahl der Schlagopfer je Anlage und Jahr bei unter 2 liegt“.

5

Auf Länge und Ettenberg stehen zusammenhängend 3.000 Hektar Wald. Davon werden weniger als 15 Hektar gerodet, das sind weniger als 0,5 Prozent. Mehr als 15 Hektar Wald werden im direkten Umfeld wieder aufgeforstet oder ökologisch aufgewertet. An den WEA-Standorten entstehen Lichtungen. Der Wald verliert durch diese Eingriffe weder seine Funktion als Lebensraum noch als Wasserspeicher oder Sauerstoffproduzent.

Ein Hektar Wald speichert pro Jahr ca. 13 Tonnen CO2. 15 Hektar Rodung, bis zur Wiederherstellung nach ca. 70 Jahren entsprechen damit einem Speicher-Verlust von 13*15*70 = 13.650 Tonnen CO2.
Die geplanten Windriesen sparen keine einzige Tonne CO2. Der gesamtdeutsche CO2-Ausstoss hat trotz 27270 Windrädern zugenommen. (Siehe auch Argument 1)

6

Die Gefahr eines Waldbrandes ist klein. Nur etwa 100 der 30.000 Windräder haben in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gebrannt, die Feuerwehr hatte die Auswirkungen im Griff. Die Gefahr von Waldbränden steigt durch den Klimawandel (häufigere Dürrephasen), nicht durch Windräder.

Die Brandgefahr durch Dürren ist schon schlimm genug, schlimmer und unhaltbar ist die Verniedlichung der zusätzlichen Windradbrände, welche durch ein überfälliges Zubau-Moratorium oder durch eine von den Wirtschaftsweisen seit langem geforderte, sofortige EEG-Anpassung vermieden werden könnten.

7

Vom Getriebeöl der Anlagen geht kaum eine Gefahr für Grundwasser und Boden aus, dies bildet sich in der überraschend niedrigen Haftpflichtversicherung von Windkraftanlagen ab.

Versicherungen rechnen emotionslos; Die Gefahr durch Fahrzeuge in der Bauphase entspricht der durch Holztransporter und Vollernter. Auch diese fahren mit Hunderten Litern Diesel in den Wald.

Da es keine gesetzliche Meldepflicht gibt, bleibt nur die Websuche nach Öl und Unfall und Windkraft. Diese ergibt für die letzten 15 Jahre 1180 Ereignisse, für Januar bis Juli 2017 278 Ereignisse. Auch hier gilt, ein Risiko auf Grund eines anderen Risikos zu rechtfertigen, ist unverantwortlich.

8

Für durch Windkraft gefährdete Vogelarten wie Rotmilan und Wespen-bussard entstehen auf der Länge durch die weit vom Waldrand und den Horsten entfernten Windstandorte kaum Gefahren. Alle von den

Windkraftgegnern behaupteten Rotmilanhorste waren keine.

Das Plangebiet gehört zu den sieben am dichtesten besiedelten Rotmilan-Dichtezentren von 823 vom LUBW kartierten Zentren. Es ist unverantwortlich, von wenig Gefahren auszugehen. Unsere Petition an den Landtag Baden-Württemberg sorgt für Abhilfe.

9

Das Landschaftsbild an der Länge wird durch die beiden Windparks beeinträchtigt. Die Heimat der Menschen zwischen Schwarzwald und Bodensee bleibt dennoch lebenswert und für Touristen attraktiv, weil in den Kreisen Schwarzwald-Baar, Tuttlingen und Konstanz nur wenige Windräder entstehen. ln ganz Baden-Württemberg wohl maximal 1.000 von 50.000 WEA in Deutschland.

Die Visualisierungen auf www.gegenwind-laenge.de zeigen Albtraum-Bilder, welche sich kaum ein Tourist freiwillig antun wird. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2016 wurde das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis darauf hingewiesen, dass die geplanten Windriesen in eine vom LUBW definierte Landschaftsbildqualtität von durchwegs 5 bis zur höchsten Schutzstufe von 10 zu liegen kämen.

10

Der Infraschall ist unabhängig von unterschiedlichen fachlichen Einschätzungen an Länge und Ettenberg durch die meist relativ großen Entfernungen zur Wohnbebauung kein ernsthaftes Problem. Die meisten Menschen leben weit von der nächstgelegenen Anlage entfernt.

Zum Infraschall von Windenergieanlagen kommt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe auf Basis einer zwölfjährigen, jetzt abgeschlossenen Langzeitstudie zu dem Ergebnis, „dass die Schall-emission moderner und großer Windkraftanlagen mit Leistungen von mehr als 500 kW Reichweiten von über 20 km hat. Diese Entfernung steigt im Falle von Windparks auf ein Vielfaches.


Riedöschingen, Bildmontage Ulrich Bielefeld, Landschaftsarchitekt bdla, Überlingen